ETF-Sparplan für Kinder: der komplette Leitfaden
Das Wichtigste in Kürze
- Ein ETF-Sparplan legt monatlich einen festen Betrag in einen börsengehandelten Indexfonds an, für Kinder meist in einen weltweit gestreuten Aktien-ETF.
- Mit 50 € im Monat ab der Geburt können bei angenommenen 5 % pro Jahr bis zum 18. Geburtstag rund 17.333 € zusammenkommen (Modellrechnung ohne Kosten).
- Es gibt drei Wege: Depot auf den Namen des Kindes, Depot auf den Namen der Eltern oder eine fondsgebundene Rentenversicherung mit ETFs.
- Entscheidend sind Laufzeit, Steuern und die Frage, wer mit 18 über das Geld verfügt.
Was ist ein ETF-Sparplan für Kinder?
Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index wie den MSCI World oder den MSCI All Country World nachbildet. Statt einzelne Aktien auszuwählen, kaufen Sie mit einem einzigen Fonds Anteile an tausenden Unternehmen. Bei einem Sparplan zahlen Sie dafür jeden Monat automatisch einen festen Betrag ein.
Für Kinder ist das besonders interessant, weil sie das wichtigste Kapital beim Investieren mitbringen: Zeit. Eine Anlage, die bei der Geburt beginnt, hat bis zum 18. Geburtstag 18 Jahre und bis zum Rentenalter mehr als 60 Jahre Zeit, um zu wachsen. Kurzfristige Kursrückgänge spielen über solche Zeiträume eine deutlich kleinere Rolle als bei einer Anlage über drei oder fünf Jahre.
Warum ETF und nicht Sparbuch?
Das klassische Sparbuch ist sicher, verliert aber häufig gegen die Inflation. Bei 2 % Teuerung pro Jahr ist ein Betrag von 10.000 € nach 18 Jahren nur noch rund 7.000 € wert. Wer für ein Kind spart, möchte aber Kaufkraft aufbauen und nicht erhalten.
Weltweit gestreute Aktien-ETFs haben in der Vergangenheit über lange Zeiträume deutlich höhere Erträge erzielt als Zinsanlagen. Das ist keine Garantie für die Zukunft, und zwischendurch sind Verluste von 30 % und mehr möglich. Für einen Anlagehorizont von 15 Jahren und mehr ist eine breite Aktienanlage aber für viele Familien die naheliegende Wahl.
Was wäre für Ihr Kind möglich? Ich rechne es Ihnen kostenlos aus, mit allen Kosten.
BeispielrechnungWie viel sollte man monatlich sparen?
Es gibt keinen richtigen Betrag, es gibt nur einen, der dauerhaft ins Familienbudget passt. Wichtiger als die Höhe ist, früh zu beginnen und dabeizubleiben. Eine Orientierung (Modellrechnung, 5 % pro Jahr, ohne Kosten und Steuern):
| Monatlich | Laufzeit | Eingezahlt | Mögliches Guthaben |
|---|---|---|---|
| 25 € | 18 Jahre | 5.400 € | 8.667 € |
| 50 € | 18 Jahre | 10.800 € | 17.333 € |
| 100 € | 18 Jahre | 21.600 € | 34.666 € |
| 100 € | 30 Jahre | 36.000 € | 81.870 € |
Mehr zu sinnvollen Beträgen, zum Kindergeld und zu Geldgeschenken lesen Sie im Artikel Wie viel sollte man für Kinder sparen?. Ihre eigene Zahl können Sie mit dem ETF-Sparplan-Rechner ausprobieren.
Welcher ETF eignet sich für Kinder?
Für einen Kindersparplan reicht in aller Regel ein einziger, breit gestreuter Welt-ETF. Typische Indizes sind:
- MSCI World: rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern.
- MSCI All Country World (ACWI): zusätzlich Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien.
- MSCI ACWI IMI: zusätzlich kleinere Unternehmen, insgesamt über 8.000 Werte. Ein Beispiel ist der SPDR MSCI All Country World Investable Market UCITS ETF mit laufenden Kosten von rund 0,17 % pro Jahr.
Thesaurierende ETFs legen Erträge automatisch wieder an. Das ist für einen langen Sparplan praktisch. Wer Wert auf Nachhaltigkeit legt, findet zu allen großen Indizes auch ESG-Varianten.
Die drei Wege: Kindername, Elternname oder Versicherung
Die Wahl des Mantels ist mindestens so wichtig wie die Wahl des ETFs. Kurz zusammengefasst:
- Depot auf den Namen des Kindes: Das Geld gehört rechtlich dem Kind. Es kann seine Freibeträge nutzen, verfügt aber ab dem 18. Geburtstag allein über das Geld. Das Vermögen zählt bei BAföG mit.
- Depot auf den Namen der Eltern: Sie behalten die Kontrolle, versteuern Erträge aber mit Ihren eigenen Freibeträgen. Steuerlich und rechtlich ist es Ihr Geld.
- Fondsgebundene Rentenversicherung: Sie sind Vertragsinhaber, das Kind ist versicherte Person. Im Vertrag fallen keine laufenden Steuern an, bei Auszahlung ab 62 nach 12 Jahren Laufzeit gilt das Halbeinkünfteverfahren. Die Kosten sind höher als bei einem Depot.
Den ausführlichen Vergleich finden Sie in Depot auf Kindernamen oder Elternnamen? und in Kinderpolice oder ETF-Depot?
Fünf typische Fehler
- Zu spät anfangen. Jedes Jahr Wartezeit kostet am Ende mehr als ein etwas höherer Beitrag.
- Bei Kursrückgängen aufhören. Gerade in schwachen Börsenphasen kauft der Sparplan günstig ein.
- Zu viele Fonds. Fünf ETFs, die alle ähnliche Unternehmen enthalten, streuen nicht besser als ein guter Welt-ETF.
- Den 18. Geburtstag vergessen. Bei einem Depot auf Kindernamen entscheidet ab dann allein das Kind.
- Steuern und Kosten nicht vergleichen. Nach 18 oder 60 Jahren machen Zehntelprozente viel aus, in beide Richtungen.
Fazit
Ein ETF-Sparplan ist eine der einfachsten Möglichkeiten, einem Kind finanziellen Rückenwind zu geben. Für kürzere Ziele bis zum Führerschein oder Studium ist ein Depot oft ausreichend. Wer langfristig denkt, Kontrolle behalten und Steuern sparen möchte, sollte sich die ETF-Rentenversicherung ansehen. Gerne rechne ich Ihnen beide Varianten nebeneinander durch.
Häufige Fragen
Ab welchem Alter kann man für ein Kind einen ETF-Sparplan anlegen?
Ab der Geburt. Ein Depot auf den Namen des Kindes eröffnen die Eltern als gesetzliche Vertreter. Bei einer Rentenversicherung sind die Eltern Vertragsinhaber, das Kind ist versicherte Person.
Ist ein ETF-Sparplan für Kinder sicher?
Ein ETF ist Sondervermögen und bei einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt. Gegen Kursschwankungen schützt das nicht. Über lange Zeiträume gleichen sich Schwankungen in der Regel aus, eine Garantie gibt es dafür nicht.
Welcher ETF ist der beste für Kinder?
Es gibt nicht den einen besten. Für Kinder eignet sich meist ein breit gestreuter, thesaurierender Welt-ETF auf den MSCI World, MSCI ACWI oder MSCI ACWI IMI mit niedrigen laufenden Kosten.

Über den Autor: Deniz Can Zeyrek ist Betriebswirt (B.A.) · Finanzanlagenfachmann (DVA) und als Exklusivvertreter der HanseMerkur auf Vorsorge spezialisiert. Mehr über mich
